Rotkäppchen, die Idylle und der emotionale Hunger

Alle haben Rotkäppchen lieb, die Großmutter besonders, weil sie so ein liebes Kind ist. Sie schenkt ihm ein rotes Käppchen, das es nun immerzu trägt und das ihm seinen Namen verleiht, es fühlt sich umhüllt und geborgen. Es lebt mit der Mutter in einer Idylle, aber wir wissen, Idyllen stimmen nicht, weil etwas fehlt, weil sie durch Verdrängung aufrecht erhalten werden. Sie sollen harmonisch sein und glücklich machen, aber sie sind einseitig, machen krank und manchmal süchtig.

Schneewittchen: Fluch und Segen der Schönheit

Schönheit ohne menschliches Gegenüber? Wieso ist da niemand, für den sie, die  Stiefmutter, schön sein, dem sie gefallen will? Wen interessiert es draußen im weiten Land, dass sie die Schönste ist? Wo ist ihr Mann, der König, der sie bestätigen könnte, was sie dringend braucht – und welche Frau kennt das nicht, das Bedürfnis nach Bestätigung der eigenen Wirkung? Sie fragt also ihren Spiegel, der magisch, wie aus einer metaphysischen Welt, mehr weiß als ein Mensch. Diese Stiefmutter, die nicht mit sich als Person, sondern mit ihrem äußeren Bild identifiziert ist, glaubt dem Spiegel. Für sie zählt nur dieses eine Kriterium, die eigene äußere Schönheit, innerlich ist sie leer. Sie muss die Nummer eins sein, sonst reicht es nicht, sonst hat es keinen Wert.

Ehefrauen, König Blaubart und der schlaue Schneider

In manchen Märchen ist nicht mit der Hochzeit Schluss, so als wäre das zwangläufig ein glückliches Ende, sondern sie ist der Anfang von Unglück. Und das besteht mitunter in Bedrohung und Erfahrung von Gewalt für die Frau vom König oder vom Schneider – statusunabhängig.

Das Märchen vom Teufel mit den drei goldenen Haaren

Das Glückskind hat von Anfang an seine eigene Wirklichkeit, seine Überzeugung, seine Fiktion vom Glück gelebt, während der König, die Wächter und die Leute in der Stadt und der Fährmann ihre Funktion leben, von der sie nicht lassen können. Bis auf den herrschsüchtigen König werden sie befreit durch die Wahrheit des Glückskindes, der versteht zu leben.

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