Das, was wir als „Pilz“ bezeichnen, ist nur der Teil, den man sieht, der eigentliche Organismus liegt im Verborgenen, unter der Erde, ein weit verzweigtes Mycel, ein Netzwerk aus feinsten Fäden, das Ressourcen verteilt, Informationen weiterleitet und Wachstum steuert. Psychische Denk- und Verhaltensmuster funktionieren erstaunlich ähnlich.
In der Psychotherapie sprechen wir von Überzeugungen, Schemata oder automatischen Gedanken, die nicht gut funktionieren und verändert werden sollen. Sie sind eingebettet in ein Netzwerk von Nervenschaltungen, das mit unseren Erfahrungen und denen der Generationen vor uns entstanden sind.
„Ich bin nicht gut genug“, „Ich muss es anderen rechtmachen“, „ich schaffe das nicht“, „ich darf nicht wütend sein“, „ich bekomme nie, was ich mir wünsche“ sind solche blockierenden Überzeugungen, die zu einer Symptomatik führen können, die man nicht bewusst ändern kann und deshalb therapeutische Hilfe sucht. Wie ein Mycel folgt unser Denken bestehenden Bahnen (im Gehirn und im Körper).
Das erklärt, warum Einsichten und Willenskraft allein selten reichen. Veränderung wird möglich, wenn neue Verbindungen entstehen, wenn tiefliegende Überzeugungen erkannt und verstanden werden, und sie ihre Gültigkeit, die in der Vergangenheit wurzelt, verlieren. Pilze sind Recycler. Sie holen Energie aus Dingen, die vorbei sind, aber noch Wirkung haben.
Eine hilfreiche Methode, den Prozess der Veränderung in Gang zu setzen oder fortzuführen, ist die 3-Stühle-Technik.
Im Fall von Lora ist der erste Stuhl, der ihre gesunden Anteile repräsentiert, kein Problem, in ihrem Selbstbild sind ihre Kompetenzen, ihre Lernfähigkeit, ihr Humor als sichere Ressourcen schnell greifbar.
Auf dem zweiten Stuhl ist die „Überlebensstrategie“ das Thema, sie passt sich an die Erwartungen der anderen an, nimmt sich zurück, unterdrückt ihre wahren Gefühle, sodass sie kaum noch weiß, was sie will – das macht sie betroffen.
Auf dem dritten Stuhl geht es um traumatische Erfahrungen, das, was in ihr blockiert, unerfüllt, ängstlich und schmerzhaft ist. Ihre Erinnerung führt sie zurück in die frühe Kindheit, zur mangelnden Verbindung zur Mutter bei abwesendem Vater und der Sehnsucht nach Zuwendung. Das berührt sie tief.
Kann sie die Sehnsucht zulassen und die Scham aushalten, die dadurch ausgelöst wird? Wie lernt sie, mit der Kränkung und der Wut umzugehen?
Was braucht sie, um sich innerlich zu befreien und für die Nahrung zu sorgen, die sie braucht: Pausen, Unterstützung, Grenzen, Mitgefühl, Klarheit, Verbundenheit und Resonanz?

Wow…so symbolisch und „effektiv“ auf den Punkt , auf das Wesentliche gebracht, mit viel Hoffnungsschimmer auf Heilung am Horizont….