Eine Sitzung mit EMDR bei Nackenverspannungen

Diese Stunde mit Janine letzte Woche nach meinen langen Ferien hat mich beeindruckt, weil wieder einmal deutlich wurde, dass seelischer Schmerz sich nicht vom Körper trennen lässt. Ich habe darüber bereits in meinem Beitrag „Embodiment“ geschrieben.

Die Patientin kommt schon lange regelmäßig zur Therapie wegen Selbstwertproblemen, Unsicherheit und irrationalen Ängsten.
Heute, nach der Sommerpause, finden wir den roten Faden nicht so recht wieder. Sie erwähnt ihre Entdeckung, dass ihr Nacken verspannt sei, weil sich die Muskeln plötzlich bei einer angenehmen Vorstellung wie von selbst für ein paar Minuten gelöst hätten. Sei seien hart gewesen, das sei ihr nicht aufgefallen.

Ich schlage ihr vor, dass wir mit diesem Thema, der Verspannung im Nacken, ein EMDR machen, dass Sie sich auf die Spannung konzentrieren soll, während ich sie anleite, die Augen schnell von rechts nach links zu bewegen, etwa 15 mal. Der Prozess, der sich nun entfaltet, ist beeindruckend, und ich möchte ihn gern schildern, um anderen Mut zu machen, diese Methode bei inneren oder körperlichen Blockaden auszuprobieren.

Zunächst, bei einem Durchgang (ich bewege einen Stab hin und her, dem sie mit den Augen folgt), tut sich noch nichts. Bisher habe sie die Spannung im Nacken nicht bemerkt, jetzt fühle sie sie deutlich.
„Meist hat das mit dem Gefühl zu tun, sich beugen zu müssen“, gebe ich zu bedenken.
Nach weiteren Durchgängen mit Augenbewegungen bemerkt sie, dass sie von ihrem Körper getrennt sei, bzw. von ihren Gefühlen, und es tue ihr gut, das ausdrücken zu dürfen. Ich merke, dass ihr zum Weinen ist.

Das aktuelle Bild hat keinen Alternativtext. Der Dateiname ist: 47FFAE21-B967-4A5A-994D-168074C8C9001.jpg

Wir setzen die Augenbewegungen nach und nach fort:
Es mache sie traurig, sich beugen zu müssen. Sie sei es nicht wert, gesehen, gehört und geliebt zu werden, so fühle sich das an, obwohl sie es eigentlich besser weiß. Wir haben schon öfter daran gearbeitet.
Sie müsse auf ihren Gefühlen „den Deckel draufhalten“. Sie müsse funktionieren. Das scheint sie sehr zu bewegen.

Sie hält inne und stellt fest, dass das nur für die Tage Montag bis Freitag gelte, wenn sie arbeite. Wer gebe ihr die Erlaubnis, den Deckel zu heben? Sie selbst. Sie beginnt zu weinen, die Vorstellung gelingt ihr, der Deckel sei jetzt offen, und es sei schmerzhaft, dass sie tatsächlich liebenswert sei. Das endlich zu fühlen macht es erst möglich, dass Tränen und Schmerz des Getrenntseins von sich selbst ins Bewusstsein kommen und zugelassen werden können.  

Sie halte ihre Nackenmuskeln noch fest. Sie müsse sich festhalten, sie brauche das Gefühl von Sicherheit. Sie fürchte, allein und verlassen zu sein, ins Nichts zu fallen, wenn sie loslasse. Was ist unter ihr, wenn sie fällt? Eine Brücke kommt ihr in den Sinn, die habe sie sich gebaut, aus ihren Fähigkeiten, das helfe ihr nicht allein zu sein.
„Der Schmerz hört nicht auf“ sagt sie zum Ende der Stunde.

Damit will ich sie nicht rausgehen lassen und schlage  ihr vor, positive, verstärkende Sätze zu finden und zu wiederholen, zum Beispiel den Satz „ich darf ich selbst sein“.

Wir werden mit dem inneren Schmerz, der Trauer und den Verspannungen im Körper weitermachen. Sie gehören zusammen. Die Erfahrung, nicht gesehen, gehört und geliebt zu werden, ist alt und sitzt tief, und obwohl sie in vielen Sitzungen bereits festgestellt hat, dass sie liebenswert ist, ist diese Überzeugung im Körper, in den Muskeln, die ihr geholfen haben, mit dem Mangel zu leben, noch nicht angekommen und noch nicht gelöst.

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