Therapiestunde mit Heiratsplänen

Eine junge Frau, die länger bei mir in Therapie war, will heiraten. Sie hat alles arrangiert, aber sie kann es nicht durchführen, weil sie zu große Angst hat. Der Umzugswagen ist bestellt, die Feier organisiert, der Job gekündigt. Sie ruft mich an und bittet um Hilfe. Heute sei sie aufgewacht und in Panik geraten: sie könne ihren Freund auf keinen Fall heiraten! Sie wisse aber nicht, warum.

In der Therapiestunde, die ich noch am selben Tag organisiere, schaut und fühlt sie genauer hin.
Es sind Gefühle aus der Kindheit, die sie am Zusammenleben mit einem Mann hindern wollen.
Dieser kindliche Teil von ihr spricht aus Erfahrung: „Du weißt doch, wie Männer sind! Lass‘ es sein!“ Gemeint ist der Vater der Kindheit, der über die Maßen streng gewesen war. Für ihn war nichts gut genug gewesen. Und jetzt plante sie, sich in Abhängigkeit von einem Mann zu begeben! Das weckte frühe Erfahrungen, die warnten sie mit Heftigkeit, um sie davon abzuhalten. Ihr Verstand hatte zwischen früher und heute keine Verbindung sehen können.

Nachdem ihr bewusst geworden war, woher die Warnung kam und diese Überzeugung in der Vergangenheit verortet wurde, konnte sie sich von der Blockade, ein neues Leben mit ihrem Freund zu beginnen, befreien. Es kam am Ende der Stunde zu einer friedlichen inneren Koexistenz zwischen den Wünschen der erwachsenen Frau und der warnenden inneren Stimme aus der Kindheit.           
Wie gut, dass sie diese Stimme mitnahm in ihre Zukunft als Ehefrau und Mutter.

Picasso

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