Die alte Schachtel…

…bin ich selbst, und das fühlt sich gut an, und sie, die Schachtel, gefällt mir.
Als die Schachtel entstand, war sie bereits gut befüllt. Und es kam immer mehr hinzu. Im Inneren wurde es manchmal recht eng und mitunter entstand ein Durcheinander. Das war in Ordnung, denn immer wieder mal nahm jemand etwas heraus oder legte etwas Passendes hinein.

Irgendwann, nach vielen Jahren, wurde es ruhiger um sie. Wurde sie noch gebraucht?
Sie war es so gewohnt, für andere nützlich zu sein, das war ihre Bestimmung. Es ging ihr gut, aber wofür und wozu war sie jetzt noch da? Sie ahnte, dass sie ein Verfallsdatum hatte.
Sollte sie mit ihrem ruhigen Dasein zufrieden sein und die Fülle im Inneren nur noch aufbewahren? Sie selbst konnte wenig tun, sie stand im Regal und hoffte, dass etwas in ihr Leben kam, das ihr eine neue Bedeutung geben würde und Freude an ihrem Dasein.

Der Tag kam. Das Leben steht ja nicht still. Jemand stellte eine Schachtel neben sie, schön anzuschauen und mit Gebrauchsspuren, so wie sie selbst, und dann kam noch jemand und platzierte eine weitere in Sichtweite, sodass die Schachteln sich sehen konnten, und das Innere der Schachteln wurde neu geordnet.

Auch jetzt wurde Dinge herausgeholt und hineingelegt. Und manchmal nahm jemand die alte Schachtel aus dem Regal, ließ den Deckel offen stehen und schaute mit Freude auf den bunten Inhalt. Das passierte mit jeder Schachtel, und sie alle fühlten sich so wohl, geschätzt und beachtet, als hätten sie wahre Schätze in sich. Aber war es nicht so?

Wieso war es je anders gewesen?

2 Kommentare zu „Die alte Schachtel…

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