Warum und Wozu

Auf dem Glastisch vor meinem Sofa liegen Kopien eines Buches, beim Staubwischen räume ich sie seit einem halben Jahr zur Seite. Heute nehme ich absichtslos die erste Seite auf und lese den kurzen Text. Warum heute und wozu?
Meister Eckhart, der christliche Theologe und Philosoph (1260 – 1328), schreibt über die Innere Welt: „Hier lebe ich aus meinem Eigenen, wie Gott aus seinem Eigenen lebt. Wer in diesen Grund jemals nur einen Augenblick geschaut hat, dem sind tausend Mark rote Goldmünzen wie ein falscher Heller. Aus diesem innersten Grund sollst du alle deine Werke wirken ohne Warum und Wozu.“
(Meister Eckhart, Predigt 5b, zitiert nach Karl Heinz Witte: Meister Eckhart: Leben aus dem Grund des Lebens).
Warum arbeite ich? Um Geld zu verdienen, um zu leben. Wie soll das gehen, ohne warum und wozu zu leben. Ich suche weitere Warum-Fragen.
Warum wollte ich Kinder? Weil ich Mutter sein wollte. Wozu? Weil das in mir war, und weil in meinem Innersten der Wunsch war, Liebe zu geben. Warum und Wozu schreibe ich diesen Blog?
Eine Freundin reagierte auf meinen Blog mit einer Mail: sie selbst brauche keine „Aufarbeitung der Vergangenheit“, wie ich das unter „Bruder und Schwester“ mache, sie schaffe sich „günstige Umstände“ und denke positiv. Sie denkt, das ist das Wozu meiner Texte: eine Aufarbeitung. Das mag von außen so erscheinen, es muss ja einen Grund geben.
Was ich schreibe, kommt aus meiner inneren Mitte und drängt nach draußen. Ich fühle mich dabei lebendig. Vermutlich ist es das Wirken, das Eckhart meint, das von Innen kommt, und das mich antreibt und erfüllt. Ich bin damit in Übereinstimmung. Das Warum und Wozu kann ich nicht beantworten.

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